Theorie IV: Wie viele Berge gibt es in der Schweiz?
Benoît Mandelbrot, einer der Pioniere der Chaosforschung, hat in einem 1967
erschienen Artikel dargelegt, dass die gemessene Länge der Küste Grossbritanniens immer länger wird, je detailliertere Karten man verwendet. Sein
Fazit ist, dass die wahre Länge der Küste am Besten mit unendlich beschrieben
werden kann.
Bei der Frage nach der Anzahl Berge tritt ein ähnliches Problem auf. In der Sprache der Mathematik könnte man die einen Gipfel als "lokales
Maximum" bezeichnen. Es ist also ein Punkt, der die anderen Punkte in einem
lokalen Umkreis überragt. Wie gross soll dieser Umkreis sein, 1km, 100m, oder
10m? Je kleiner dieser Wert gewählt wird, desto mehr Punkte erfüllen das
Kriterium des lokalen Maximums, desto mehr Gipfel gibt es also. Lässt man
punkto Durchmesser des überragten Umkreises die Anforderungen an einen
Gipfel immer kleiner werden, so steigt die Zahl der Gipfel im Extremfall gegen
unendlich.
Insgesamt sind im aktuellen Gipfelverzeichnis der Schweiz 8874 Gipfel
aufgeführt. Diese Zahl ist allerdings nicht sehr informativ, da die Gipfel
nicht nach objektiven Kriterien ausgewählt wurden. Die Frage nach der Anzahl Berge, die es in einem Gebiet gibt, lässt sich nur
dann sinnvoll beantworten, wenn man zuerst definiert, was ein Berg ist. Mit den beiden
Massen Schartenhöhe und Dominanz lässt sich das einfach und objektiv tun. So
kann man zum Beispiel vorgeben, dass ein eigenständiger Gipfel im Umkreis von
mehr als einem Kilometer der höchste Punkt sein muss. Wendet man dieses
Kriterium an, so gibt es in den Schweizer Alpen 1584 Berge. Die
folgende Graphik zeigt den Zusammenhang zwischen der geforderten Dominanz
(horizontale Achse) und der Anzahl Berge, die sich dann für die Schweizer Alpen
ergibt. Fordert man von einem eigenständigen Berg also mindestens 5 km
Dominanz, so zählen die Schweizer Alpen lediglich noch 170 Berge.
Anstelle einer minimalen Dominanzanforderung könnte man natürlich auch die
Schartenhöhe als Kriterium nehmen. Fordert man mehr als 100 Meter Schartenhöhe
von einem Gipfel so gibt es 1964 Berge in den Schweizer Alpen. Die Gipfelzahl
nimmt wieder rapide ab, wenn die geforderte Mindest-Schartenhöhe erhöht wird.
Die Frage, wie viele Berge es in den Schweizer Alpen oder in einem Kanton gibt, kann also jeder
für sich beantworten, indem er Mindestkriterien an Schartenhöhe und/oder Dominanz
festlegt und sich die entsprechenden Berge im [Gipfelverzeichnis
der Schweiz] raussucht.
Die folgende, letzte Theorieseite geht der Frage nach, ob und wie die
verschiedenen Masse zur Beurteilung der Bedeutung eines Berges sinnvoll zu einem Mass
zusammengefasst werden können [Aggregation].
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